Die Stiftung ESM wird 75!
Am 17. September feierte die Stiftung Entwicklungsfonds Seltene Metalle (ESM) ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Themennachmittag zu kritischen Rohstoffen im Hotel Bellevue Palace in Bern.
Ob Energiewende, Digitalisierung, geopolitische Spannungen oder sicherheitspolitische Überlegungen: Kritische Rohstoffe sind zu einem strategischen Faktor für Wirtschaft, Technologie und Politik geworden. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Industrie und Forschung sowie internationalen Expertinnen und Experten diskutierten wir, welche Bedeutung diese Entwicklung für die Schweiz hat und welche Wege zu einer resilienteren Rohstoffversorgung führen können.

In seiner Eröffnungsrede stellte Stiftungsratspräsident Ernst Lutz die bemerkenswerte Aktualität der 1951 gegründeten Stiftung heraus. Bereits die Gründungsurkunde des ESM beschäftigte sich mit Metallen wie Lithium, Kobalt, Indium oder Germanium – Rohstoffen, die heute erneut im Zentrum weltweiter Debatten stehen. Die grundlegende Frage ist über die vergangenen 75 Jahre hinweg dieselbe geblieben: Wie kann die technologische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Schweiz in einer Welt gesichert werden, in der Wertschöpfungsketten zunehmend geopolitischen Risiken ausgesetzt sind?
Im Verlauf des Nachmittags wurden die aktuellen Herausforderungen der globalen Rohstoffversorgung ebenso beleuchtet wie mögliche Strategien für Europa und die Schweiz. Diskutiert wurden die zunehmende Konzentration von Abbau- und Verarbeitungskapazitäten, die Verwundbarkeit globaler Lieferketten, die Rolle internationaler Partnerschaften sowie die Bedeutung von Diversifizierung und Innovation. Weitere Programmpunkte widmeten sich den Perspektiven der Schweizer Industrie auf kritische Rohstoffe und der Frage, welche politischen, wirtschaftlichen und technologischen Massnahmen die Versorgungssicherheit langfristig stärken können.

Besonders hervorgehoben wurde, dass die Schweiz für eine sichere, diversifizierte und nachhaltige Versorgung auf verlässliche internationale Partnerschaften angewiesen bleibt. Darüber hinaus wurde das Bild der «rohstoffarmen Schweiz» kritisch hinterfragt: Denn zahlreiche wertvolle Metalle befinden sich bereits heute in Produkten, Infrastrukturen und Altgeräten innerhalb des Landes. Eine konsequentere Kreislaufwirtschaft könnte diese vorhandenen Materialbestände künftig stärker als strategische Ressource nutzbar machen. Dazu gehören nicht nur effiziente Sammel- und Recyclingstrukturen, sondern auch Produkte, die von Beginn an so gestaltet werden, dass enthaltene Rohstoffe am Ende ihrer Lebensdauer möglichst einfach zurückgewonnen werden können («Design for Recycling»). Mehrfach wurde zudem betont, dass in Europa über Jahrzehnte Wissen und Kompetenzen entlang der metallischen Wertschöpfungsketten verloren gegangen sind. Umso wichtiger sei es, Expertise in den Bereichen Rohstoffe, Bergbau, Verarbeitung, Recycling und Kritikalitätsbewertung wieder aufzubauen. Ein vertieftes Verständnis der Rolle von Rohstoffen in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie wurde ist dabei zentrale Voraussetzung für fundierte politische und wirtschaftliche Entscheidungen.

Ein Satz, der während der Diskussionen mehrfach aufgegriffen wurde, bringt die Herausforderungen der kommenden Jahre auf den Punkt: «Umweltpolitik ist Rohstoffpolitik ist Wirtschaftspolitik.» Die Transformation hin zu einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft wird nur gelingen, wenn Rohstofffragen künftig stärker sektorübergreifend betrachtet werden.
Mit dem Jubiläumsanlass wollte der ESM nicht nur auf 75 Jahre Stiftungsgeschichte zurückblicken, sondern vor allem den Blick nach vorne richten. Das Ziel bleibt unverändert: Wissen schaffen, Akteur:innen vernetzen und Kompetenzen aufbauen, um gemeinsam tragfähige Lösungen für eine resiliente und nachhaltige Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu entwickeln. Dazu braucht es den kontinuierlichen Austausch und die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie, Politik und Verwaltung – heute mehr denn je.



